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‚Umstrittener‘ mazedonischer Film The Third Half auf YouTube in voller Länge

Liebesfilm zwischen Mazedonier und Jüdin unter bulgarischer Besatzung im zweiten Weltkrieg sorgte für Aufregung

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The Third Half

Der „umstrittene“ mazedonische Film „Treto Poluvreme“ (Die Dritte Halbzeit, The Third Half) wurde vom Regisseur des Films, Darko Mitrevski, der Öffentlichkeit jüngst via YouTube zugänglich gemacht. Dieser war aufgrund von wütenden Protesten aus Bulgarien einige Jahre „in den Archiven versteckt“.


Der Film ist eigentlich eine wunderbare (und wahre) Liebesgeschichte, die während des Zweiten Weltkriegs unter bulgarischer Besatzung in Skopje spielt. Die zahlreichen historischen Begebenheiten des Films haben jedoch wütende Reaktionen des östlichen Nachbarn Bulgarien ausgelöst, der den Film als anti-bulgarische Propaganda betrachtet. Obwohl es sich um einen Spielfilm handelt, in dem die Liebesgeschichte im Fokus steht und die Ereignisse eigentlich historisch bekannte Fakten sind, störte sich Sofia an dem dargestellten Bild als Besatzer und Verbündeter des Dritten Reiches.

Über den Film Treto Poluvreme – Die Dritte Halbzeit – The Third Half

Die Dritte Halbzeit (mazedonisch: Трето Полувреме) ist ein mazedonisch-tschechisch-serbischer Film, der sich mit dem mazedonischen Fußball während des Zweiten Weltkriegs und der Deportation der Juden aus Mazedonien durch den bulgarischen Besatzer befasst.

Die primäre Handlungen des Films ist eine Liebesgeschichte während des Krieges und die Leidenschaft eines Landes für den Fußball. Die mazedonische Regierung unter Nikola Gruevski betrachtete den Film von nationalem Interesse und finanzierte ihn mit einer Million Euro. Der Film ging auch irgendwie Hand in Hand mit der Errichtung und Eröffnung des Macedonian Holocaust Museum in Skopje. Eine der wenigen solcher Gedenkstätten in Europa – diese ist auch Teil in der Handlung des Films.

LESETIPP: Israelische Medien berichten über Holocaust Memorial Eröffnung in Skopje – 8 Jahre zu spät

The Third Half wurde bei den 85. Oscar-Verleihungen als der mazedonischer Beitrag für die Kategorie „Best Foreign Language“ ausgewählt.

Der Film spielt in Mazedonien, damals Teil des serbisch dominierten Jugoslawiens, und folgt der Zeit kurz nach dem Einmarsch der Nazis in die Region. Kurz gesagt: 1941 verlieben sich ein junger mazedonischer Fußballspieler und Rauhbein Namens Kosta (gespielt von Saško Kocev), und eine wohlhabende junge Jüdin, Rebecca (Katarina Ivanovska), trotz der Bemühungen ihres Vaters „der reichste Bankier in Skopje“, diese Beziehung zu unterbinden.

Während der Krieg um ihre Grenzen tobt, bleiben die Mazedonier in ihrer Welt patriotischer Freuden gefangen, vor allem besorgt darüber, den mazedonischen Fußballverein FK Makedonija auf eine Siegesserie zu bringen.


Ihr Manager engagiert den legendären Rudolph Spitz (gespielt von Richard Sammel), „ehemaliger preußischer Stürmer-Star und Erfolgstrainer“ um die offensichtlichen Loser zu Champions zu machen. Was ihm auch gelingt, etliche Sequenzen des Films zeigen wie der Trainer seine Schützlinge auf dem Platz hart trainiert, aber auch das unternimmt was man heutzutage als „team building“ Maßnahmen versteht. So lässt der ehemalige Stürmerstar aus Preußen seine Spieler auch mal eine Toilette schruppen, damit sie verstehen was es bedeutet auf eine Gewinnerstraße zu kommen.

Doch als die Besetzung Mazedoniens durch Hitlerdeutschland und seinen Verbündeten Bulgarien beginnt, ändert sich einiges für das Team das nun gerade eben auf die Siegerstraße gelangte. Ihr Team wird kurzerhand in die bulgarische Liga integriert, und die Besatzer in Skopje „enttarnen“ den Trainer Spitz als einen Juden „den sie jahrelang nicht fassen konnten, aber nun vor ihrer Nase sei“. Nun bekommt der Trainer einen Judenstern angeheftet, und das Team ist somit in das Geheimnis des Trainers eingeweiht. Er kam sicherlich nicht freiwillig nach Skopje um das Verliererteam zu trainieren, er floh vor den Nazis.

Als die Besatzer beginnen die Juden aus Skopje zu deportieren, erkennen Kosta und seine Teamkollegen, dass die unbeschwerten Tage ihrer Jugend nun vorbei sind. Kostas Liebe ist eine Jüdin, die aus ihrem Haus floh um seine Frau zu werden. Aber ihr Vater wurde verhaftet und in ein Lager gebracht.

Auch die Umstände für das Team ändert sich, vor dem Spiel müssen sie vor dem Besatzer mit dem Hitlergruß salutieren. Der Torhüter, mit Spitznamen Afrika, ignoriert in einer Partie diesen Befehl und wird nach der Partie von bulgarische Soldaten „medizinisch behandelt“.

Das Team wird jedoch immer erfolgreicher und setzt sich an die Spitze der Tabelle der bulgarischen Liga, „als Provinzklub“ wie von einem bulgarischen General abfällig bezeichnet. Mit dem Erfolg steigt auch der Druck auf den Eigner des Klubs, er wird vom General vorgeladen und dieser gibt ihm zu verstehen, dass FK Makedonija „das entscheidende Spiel unter keinen Umständen gewinnen dürfte, da man ihm sonst in Sofia einen Kopf kürzer machen würde“.

Tja, und jetzt ist es am Besten Ihr schaut Euch den Film einfach an, sonst würden wir ja alles verraten! Der Film wurde (im Mazedonischen Originalton, streckenweise mit der Ladino Sprache der jüdischen Bevölkerung) mit englischen Untertiteln veröffentlicht. Unter dem YouTube Player mehr zum geschichtlichen Hintergrund es Films.

Historischer Background

The Third Half zeigt die Geschichte von 7.148 mazedonischen Juden, die von den bulgarischen Verwaltungs- und Militärbehörden die mit dem NS-Regime zusammenarbeiteten, in das Konzentrationslager von Treblinka deportiert wurden.

Im Februar 1943 unterzeichneten Bulgarien und Deutschland ein Abkommen über die Deportation bulgarischer Juden in polnische Lager. Im März 1943 sammelte die bulgarische Polizei nachts die Juden von Thrakien und Mazedonien und brachte sie unter extrem harten Bedingungen in Internierungslager.

Ihr Eigentum und ihre Häuser wurden vor ihrer Deportation Ende März beschlagnahmt. Versiegelte Züge transportierten 11.384 Juden, hauptsächlich über die Donau, in Vernichtungslager, aus denen fast keine zurückkehrten. So wurde zum Beispiel die komplette jüdische Gemeinde in Skopje, und vor allem Bitola der zweitgrößten Stadt Mazedoniens, nahezu komplett ausgelöscht. Bulgarien versucht dieses traurige Kapitel meist stillschweigend unter den Teppich zu kehren, während man versucht, die Rettung der Juden im eignen Land Bulgarien als große Heldentat zu verkaufen. Es steht außer Frage, dies muss man Bulgarien anerkennen das sie sich im eigenem Land der Auslieferung widersetzt haben. Doch, bleibt die Deportation in den besetzten Gebieten Makedoniens und Thrakiens unweigerlich ein historisches Faktum.

Der Film wurde zudem von der wahren Geschichte der Fußballmannschaft des FK Makedonija aus Skopje inspiriert. Der Film basiert auch auf einem Interview mit der Shoah Foundation über diese Geschichte, die Neta Koen (heutiger Name Marija Mladenovska), eine mazedonische Holocaust-Überlebende, 1998 gegeben hat.

Der jüdische Trainer des FK Makedonija Illés Spitz, der auch ein mazedonischer Holocaust-Überlebender ist, wurde von den Managern der bulgarischen Klubs gerettet.

Premiere von The Third Half beim „Manaki Brothers“ Filmfestival in Bitola

Der Film wurde von Darko Mitrevski inszeniert und vom Mazedonischen Filmfonds, dem Holocaust-Fonds der Juden aus Mazedonien, der Jüdischen Gemeinschaft Mazedoniens und dem Tschechischen Staatsfonds unterstützt.


Der Streifen wurde von der mazedonischen Regierung zu einem Film von nationalem Interesse erklärt. Der Film wurde in Skopje, Bitola und Ohrid gedreht. Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 10. September und dem 27. Oktober 2011 statt.

LESETIPP: Netflix Serie Into the Night wurde auch in Skopje gedreht

Die Premiere von The Thrid Half fand am 15. September 2012 im Rahmen des Internationalen Filmkamerafestivals „Manaki Brothers“ in Bitola statt.

Vladan Petković schrieb für Cineuropa, dass The Third Half der ehrgeizigste mazedonische Film seit Before the Rain (1994) sei. Er lobte die Kulisse und lobte den Direktor dafür, dass er es geschafft habe, „alle komplizierten Details der Zeit und der geopolitischen Situation zusammenzustellen“. Petković hob Sammels Schauspiel als das stärkste hervor und nannte es „den wirklichen emotionalen Anker des Films“.

Der Film wurde als mazedonischer Beitrag für den Oscar für die Kategorie bester Fremdsprachiger Film bei den 85. Oscar-Verleihungen ausgewählt, schaffte jedoch nicht den endgültigen Schritt für die Nominierung.

Bulgarien entfacht Kontroverse über den Film

Hohe Wellen schlug der Film The Thrid half im Nachbarland Bulgarien.

Evgeni Kirilov, Andrey Kovatchev und Stanimir Ilchev – bulgarische Mitglieder des Europäischen Parlaments – äußerten sich empört über den Film und forderten den damaligen EU-Kommissar für Erweiterung Štefan Füle auf, die Republik Mazedonien über den Film zu tadeln. Sie behaupteten, der Film sei ein „Versuch, die Geschichte des Balkans zu manipulieren“ und „Hass“ seitens der Republik Mazedonien gegen ihre Nachbarn zu verbreiten.

Der Regisseur des Films bestritt die Anschuldigungen. Er und das Filmteam beschrieben die Einwände gegen den Film als Beispiel für die Leugnung des Holocaust.

Wie jedoch der bulgarische Staatssender BNR im September 2012 berichtete:

Die EU-Kommission habe nicht vor, Partei im Streit zwischen Bulgarien und Mazedonien wegen des mazedonischen Doku-Films „Dritte Halbzeit“ zu ergreifen, gab der Sprecher des EU-Erweiterungskommissars Stefan Füle, Peter Stano für BNR bekannt.

Ende November 2011 gaben die mazedonischen Medien an, dass die deutsche Abgeordnete Doris Pack die Kritik der bulgarischen Politiker an dem Film zurückgewiesen habe. In einer außerordentlichen Sitzung des EU-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, an der der Außenminister der Republik Mazedonien teilnahm, bestritt Doris Pack diese Behauptung.

„Borissow Regime stört meinen Film“

Wie gesagt schlug der Film hohe Wellen in Bulgarien. Beziehungsweise, man müsste es richtig formulieren, die Ankündigungen zum Film. Denn, als sich Mazedoniens Nachbar über den Film wütend entrüstete, war dieser noch gar nicht veröffentlicht.

Folgend ein Auszug aus einem Interview des Regisseurs des Films mit der Deutschen Welle auf Bulgarisch. Diese schrieb am 13. September 2012:

Aufgrund der scharfen Reaktionen der bulgarischen Medien und Historiker entstanden politische Spannungen um den Film. Auf diese Weise auf einen noch nicht veröffentlichten Film zu reagieren, ist „verrückt“, denkt Darko Mitrevski, der die bulgarischen Anschuldigungen, dass er Hassreden im Film verbreitet, nicht akzeptiert. Der Konflikt um die „Dritte Halbzeit“ geht weiter, kürzlich wurden sogar die tschechischen Koproduzenten der „anti-bulgarischen Propaganda mit EU-Geldern“ beschuldigt.

„Ich habe vor einigen Monaten über diese Anschuldigungen und Angriffe gesprochen, als ich noch naiv glaubte, dass die Kampagne in Bulgarien das Werk bestimmter Kreise, patriotischer Menschen oder politischer Extremisten war. Leider stellte sich heraus, dass die gut organisierte Maschine des Regimes aktiviert wurde, von Bojko Borissow, die alle ihre Hebel gegen meinen Film bewegt hat – sowohl medial als auch politisch“, behauptet der mazedonische Regisseur und fügt hinzu:

„Es ist nicht richtig, einen noch nicht veröffentlichten Film oder ein ungelesenes Drehbuch anzugreifen. Gegner des Films haben seit einem Jahr versucht zu verhindern, dass er erscheint, um alle Finanzierungsquellen zu blockieren – zuerst in Mazedonien, dann im Europäischen Parlament und jetzt in der Tschechischen Republik. Ihr Ziel ist es nicht, diesen Film zu sehen, zumindest nicht so weit wie geplant, und damit eine Geschichte nicht an die Oberfläche zu bringen, die seit 70 Jahren sehr sorgfältig verborgen ist. Der Film ist weg. Es gibt keine Hassrede, keine anti-bulgarischen Notizen – es gibt nichts als nackte Fakten und menschliche Geschichten“, so Mitrevski.

The Third Half Filmcast

Regie: Darko Mitrevski
Autoren: Darko Mitrevski, Grgur Strujic (Co-Autor)
Musik von Kiril Džajkovski
Kamera Klaus Fuxjäger
Schnitt Dejan Boskovic
Produktion Kino Oko

Saško Kocev als Kosta
Katarina Ivanovska als Rebecca Cohen
Bedija Begovska als Rebecca im Jahr 2012
Richard Sammel als Rudolph Spitz
Rade Šerbedžija als Don Rafael Cohen, Rebeccas Vater
Emil Ruben als Garvanov, ein bulgarischer Oberst
Mitko S. Apostolovski als Dimitrija, der Besitzer des FK Makedonija
Toni Mihajlovski als Pancho
Igor Angelov als Afrika
Gorast Cvetkovski als Skeptiker
Oliver Mitkovski als Jordan
Igor Stojčevski als Cezar
Dimitrija Doksevski als Gengys
Bajram Severdžan als Choro
Whitney Montgomery als Rachel, Rebeccas Enkelin
Zvezda Angelovska als Blagunja, Panchos Frau
Verica Nedeska als Zamila, Rebeccas Freundin
Petre Arsovski als Papas, Dimitrijas Freund
Meto Jovanovski als Rabbiner
Salaetin Bilal als Schuhmacher
Petar Mirčevski als Friseur

Laufzeit: 113 min

QUELLE: Makedonien.mk


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