Mazedonien als Titelverteidiger vom Development Cup ausgeschlossen!

Drei Wochen sind vergangen, seit die Hockey-Community in einer Facebook-Ankündigung der Organisatoren erfuhr, dass beim kommenden Development Cup 2022 in Füssen „Mazedonien durch Portugal ersetzt wird“. Seitdem sind einige Fragen aufgekommen, aber es wurden keine offiziellen Erklärungen abgegeben, weder vom Veranstalter noch vom Mazedonischen Eishockeyverband. Also haben wir versucht herauszufinden, was los ist. Zog sich Mazedonien als Titelverteidiger aus dem Turnier zurück oder wurde Mazedonien ausgestoßen? Letzteres scheint es zu sein.

Wir haben versucht, ein paar Antworten zu bekommen, ehrlich gesagt, wir haben die Organisatoren nicht kontaktiert, zwei Typen aus Marokko und Irland, die die Leiter des Turniers sind. Der einzige, der bereit war, einige Fragen zu beantworten, war Zoranco Griovski, ehemaliger Kapitän der Inline-Hockey-Nationalmannschaft, aktueller Manager der Eishockey-Nationalmannschaft und auch Stand-by-Spieler. Er ist auch in der Nähe des Veranstaltungsortes Füssen aufgewachsen. Aber er konnte oder wollte uns nicht alle Fragen im Detail beantworten. Kurze Zusammenfassung, Mazedonien wurde aus dem Turnier geschmissen. „Wir verstehen die Entscheidung der Veranstalter nicht“, war seine erste knappe Antwort im Chat.

Wie er erklärte, scheinen die Organisatoren Beschwerden über den Kader des Teams Mazedonien zu haben. Sie akzeptierten den erweiterten Kader nicht. „Sie haben uns gesagt, dass unsere beiden Topscorer des vergangenen Turniers 2018 nicht am diesjährigen Turnier teilnehmen dürfen.“

Es war nicht schwer herauszufinden, dass diese beiden Spieler Jure Stopar und Dimitrij Prokudin sind, die beide schon seit Jahren für Mazedonien spielen. Beide sind tief in die Entwicklung des mazedonischen Eishockeys involviert. Jure fungierte während des Development Cup 2018 mehr oder weniger als Spielertrainer. Dimitrij war jahrelang Jugendtrainer in Skopje, er trainierte einige der Spieler im mazedonischen Kader.

Wie er weiter erzählte, wurde die erweiterte Kaderliste bereits im Herbst letzten Jahres eingereicht, da der Development Cup im Oktober 2021 hätte gespielt werden sollen, aber aufgrund von Covid-Einschränkungen verschoben wurde. „Kurz bevor das Turnier stattfinden sollte, wurde uns dies mitgeteilt, als wir bereits die Vorbereitungen für das Turnier abgeschlossen hatten.“

Ihm zufolge stand neben einigen jungen Spielern fast der gleiche Kader wie 2018 auf der Meldeliste. Nach der Entscheidung der beiden Turnierchefs legte Mazedonien Widerspruch ein und bat um Einsicht in die langen Meldelisten der anderen Mannschaften. Der Antrag wurde abgelehnt. „Wir haben um Transparenz gebeten, aber das wurde uns verweigert. Wir haben nicht nur 2018 erfahren, dass einige der anderen Teams sogar Spieler ohne Staatsbürgerschaft in ihren Reihen haben, die als spielberechtigt angesehen wurden.“ Im Gegensatz dazu haben alle mazedonischen Spieler die Staatsbürgerschaft und spielen bereits seit Jahren für die Mannschaft, mit Ausnahme der Nachwuchsspieler, die Neulinge sind und ihr Debüt gegeben hätten, fügte er hinzu.

Wie er uns sagte, lautet die Regel bezüglich der Teamaufstellungen für den Development Cup wie folgt:

„Teamlisten müssen zu mindestens 80 % aus IIHF-berechtigten Spielern bestehen. Von den 20 % oder weniger nicht teilnahmeberechtigten Spielern ist eine Erklärung über die Notwendigkeit ihrer Teilnahme erforderlich. Die Organisatoren des Development Cup werden alle nicht teilnahmeberechtigten Spieler überprüfen und die Teams zu einem bestimmten Datum informieren, ob sie teilnahmeberechtigt sind.“

Es scheint, dass es kein „bestimmtes Datum“ wie in den Regeln erwähnt gab, da Mazedonien bereits als Teilnehmer beim Development Cup 2022 angekündigt wurde. Außerdem ist er der Meinung, dass Mazedonien diese Kriterien erfüllt. „Wir haben nur die Information erhalten, dass diese beiden Spieler nicht teilnehmen dürfen, unsere Meinung ist, dass unsere Meldeliste konform dieser 20%-Marke steht.“ Wie viele Spieler tatsächlich auf der Liste standen, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

„Wir wollten prüfen, ob die anderen Teams diese Kriterien erfüllen, aber unser Antrag wurde abgelehnt, und kurz nach dieser Diskussion wurden wir von einem der Organisatoren buchstäblich per E-Mail rausgeschmissen. Es war bereits Mitte März und unsere Vorbereitungen und Planungen waren bereits am laufen, eigentlich waren sie größtenteils schon abgeschlossen. Tickets für unsere auswärtigen Spieler hatten wir schon gekauft, organisierten Camps, buchten Eiszeit vor dem Turnier und so weiter, sogar eine Anzahlung für die Teilnahme am Cup wurde bezahlt und es wurde bekannt gegeben, dass Mazedonien Teil des Cups ist. Wir sind kein Profi Team, also haben alle Spieler von ihren Arbeitgebern Urlaub genommen, es war eine schockierende Nachricht für sie“.

Eine herbe Entscheidung für ein kleines Land wie Mazedonien, denn nach dem Gewinn des Development Cups 2018 war im Land ein Boom im Gange. Jeder in Mazedonien hörte plötzlich von dem Team und dem Erfolg, aufgrund der großen Medienberichterstattung – was in Mazedonien bis dahin in Sachen Eishockey noch nie passiert ist. Die Spieler starteten auch eine Kampagne „Wir brauchen eine Hockeyarena“, da ihre eigentliche Arena ein halboffenes Eisstadion ist und nur vier Monate im Jahr/Saison in Betrieb ist. Dann folgte Covid und Mazedonien wurde zum ersten Mal „hart gecheckt“, als die Eiszeiten auf null Minuten gekürzt wurden. Und Stille trat um die Eisbahn und das mazedonische Eishockey im Allgemeinen auf.

Es war der erste Auftritt für Mazedonien im November 2018 in Füssen bei der zweiten Ausgabe des Cups, Eiszeit in Skopje gab es erst nach dem Turnier. „Die Hälfte unseres Teams ging mit nur zwei Eiszeiten in den Cup. Ich denke, wir hätten dieses Jahr besser spielen können, da der Cup nach unserer Saison angesetzt ist und nicht davor. Also hatten alle Spieler etwa 4 Monate Eiszeit.“

Unsere letzte Frage zu diesem Thema war: Was nun? „Wir wissen es nicht. Tatsächlich ist dieses Turnier ein privat initiiertes Turnier, wir unterstützen gerne die Idee eines Wettbewerbs für nicht teilnahmeberechtigte Nationalmannschaften für die IIHF-Weltmeisterschaft. 2018 erhielten die Organisatoren Unterstützung von der IIHF und insbesondere vom deutschen Eishockey Verband (DEB), der den Austragungsort bereitstellt. Wir werden nach dem Turnier darüber nachdenken. Es muss Änderungen in der Struktur geben, daher hoffen wir, dass sich die IIHF stärker in die Organisation und auch in die Entscheidungsfindung einbringt. Es gibt keinen Directors Board des Turniers, alle Entscheidungen werden von zwei Jungs getroffen (um nicht zu sagen, aus eigenem Wohlwollen heraus), ich werde meine Bedenken diesbezüglich auch gegenüber dem DEB zum Ausdruck bringen und hoffe, dass sie sich stärker in die Organisation einbringen, da sie das professionelle Know-how haben. Das weiß ich und bin mir dessen bewusst, weil ich in der Nähe des Austragungsortes aufgewachsen bin, der eigentlich der Bundesstützpunkt für Eishockey und Curling in Deutschland ist. Eine Top-Adresse in der Hockeywelt.“ Anmerkung, IIHF ist der Eishockey Weltverband.

Der Development Cup 2022 findet vom 4. bis 7. Mai statt. Die konkurrierenden Teams sind: Algerien, Andorra, Kolumbien, Irland, Liechtenstein und Portugal, die das jetzt ausgestoßene Mazedonien ersetzen.

Unsere ultimative letzte Frage, als wir uns mit Zoran unterhielten, war: Was denkst du, wer wird den Development Cup dieses Jahr gewinnen? „Ehrlich gesagt weiß ich nicht viel über die Teams und Spieler aus Übersee und Afrika, aber ich denke, Liechtenstein wird gewinnen. Sie haben einen guten Kader mit erfahrenen und jungen Spielern. Ich wünsche allen Teams und den Organisatoren ein erfolgreiches Turnier, und freue mich darauf, dass wir uns hoffentlich nächstes Jahr auf dem Eis wiedersehen.“

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QUELLE: Macedonia Hockey Blog/Englisch

Foto: Alan McNeice/Irland

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