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Igor Angelovski – Der Mann der Mazedonien nach Europa führte

„Europa will nicht nach Mazedonien kommen, also kommt Mazedonien nach Europa“

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Igor Angelovski

„Europa will nicht nach Mazedonien kommen, also kommt Mazedonien nach Europa“ scherzen Mazedoniens Fußball Fans – die einerseits erfreut über den historischen fußballerischen Erfolg sind, andererseits aber auch teils bitter enttäuscht über die jahrelange politische Blockadehaltung Europas sind, wenn es um die Frage der EU Mitgliedschaft Mazedoniens geht. Wie dem auch sei, die Fans sind insbesondere einem Mann dankbar der Mazedonien nun schlussendlich nach Europa gebracht hat – Nationaltrainer Igor Angelovski.


Seit Oktober 2015 führt Angelovski das Rot-Gelbe Team als 18. Nationaltrainer Mazedoniens an. Man mag es eigentlich kaum glauben, aber dies ist erst sein zweiter Trainerposten. Erstmals auf der Trainerbank saß er (eindrucksvoll und erfolgreich) beim Hauptstadtklub Rabotnički Skopje. Zwei Jahre lang führte er das „Arbeiter Team“ am Vardar an.

Begonnen hat aber alles, wie sollte es auch anders sein, als Spieler. Blicken wir auf den Mann der Mazedonien zur Europameisterschaft führte. Seine Stationen, seine Erfolge in seiner jungen Karriere, und wie Angelovski als einziger Trainer auf einem Panini Sticker kam.

Igor Angelovski als Spieler

Seine Profikarriere als Fußballer fing Igor Angelovski im Alter von 20 Jahren an. In der mazedonischen Hauptstadt machte er die ersten Schritte als Profi, bei FK Cementarnica 55. Nach zwei Jahren zog es ihn in die nördlichste Ex-YU Republik, nach Slowenien. Bei NK Publikum Celje verblieb er ebenfalls zwei Jahre lang, ehe er wieder nach Skopje zu Cementarnica zurück kehrte.

Sein zweites Engagement bei Cementarnica würde nun sieben Jahre (von 2000 bis 2007) andauern, danach folgte der erste Wechsel innerhalb Mazedoniens. Er wechselte zum Stadtrivalen FK Skopje. Dort verblieb er allerdings nur ein Jahr, ehe er wieder ins Ausland nach Serbien zog. Beim FK Srem beendete Angelovski nur nach einem Jahr Aufenthalt dort seine Profi Karriere als Spieler.

Der Trainer Angelovski

Acht Jahre nun dauert die Trainerkarriere von „Mrme“ an. Angefangen hat es 2013, mit dem Posten als Cheftrainer bei FK Rabotnički Skopje.

Und dort zeigte Angelovski sofort was er als Trainer leisten kann. In der Saison 2013/2014, also im ersten Trainerjahr, holte er umgehend mit seinen Mannen das „Doppel“. Die mazedonische Meisterschaft als auch den Pokal.


In der folgenden Saison 2014/2015, im Halbfinale des Mazedonischen Pokals, eliminierte Rabotnički die Mannschaft von FK Renova mit einem 2:1-Heimsieg und einem Unentschieden im zweiten Spiel (1:1). So sicherte sich Rabotnički zum fünften Mal einen Platz im Pokalfinale – Angelovski schaffte es also sein Team zweimal hintereinander ins Pokalfinale zu führen.

Dort traf man auf den FK Teteks aus Tetovo. Auch dieses zweite Finale unter der Leitung von Angelovski, das im Stadion ‚Filip Vtori‘ in Skopje gespielt wurde, gewann Rabotnički erneut. Die Tore beim 2:1 Sieg erzielten für Rabotnički damals der Kapitän Baže Ilijoski und Marjan Altiparmakovski. Zum vierten Mal holte man sich den Fußball Pokal von Mazedonien. Zwei mal in Folge unter der Leitung von Mrme. Drei Titel innerhalb zwei Trainerjahre. Die ersten zwei Trainerjahre in seiner noch jungen Karriere wohl bemerkt!

Igor Angelovski wird mazedonischer Nationaltrainer

Der Erfolg blieb natürlich nicht unbemerkt. So kam Angelovski beim Mazedonischen Fußball Verband auf den Schirm. Und im nachhinein betrachtet, war das wohl der Glücksfall.

Mazedoniens Nationalelf befand sich damals in einer Krise. Verschiedene (zumeist ausländische) Trainer gaben sich mehr oder weniger die Klinke in die Hand. Vor Angelovski war der Serbe Ljubinko Drulovic (relativ kurz) Mazedoniens Nationalcoach. Er flüchtete zurück in die Heimat zu Partizan Belgrad, nach vier Niederlagen und einem Unentschieden. Wir berichteten am 18. Oktober 2015 darüber in einer knappen Meldung mit dem Titel: „Er kam, verlor und ging“…

Angelovski war somit der herausragende Kandidat, der Drulovic ersetzen konnte, und schrieb Geschichte, indem er Mazedonien zu seinem ersten großen internationalen Turnier führte.

Aber es dauerte schon ein wenig bis sich der Erfolg zeigte. Dazu musste Angelovski erst die Ärmel hochkrempeln und einiges an Arbeit leisten. Auch Überzeugungsarbeit, denn, bei Mrme’s Amtsantritt war der derzeitige Held und wohl Beste Spieler des mazedonischen Fußballs Goran Pandev gar nicht mehr Teil der Nationalmannschaft.

Pandev trat im Oktober 2013 von der Nationalmannschaft zurück, Angelovskis Vorgänger wollten ihn zurückholen konnten aber Pandev nicht überzeugen. Dies vollbrachte dann Angelovski und holte Grande Pandev wieder zurück in die Nationalfarben.

Die Qualifikation zur Fußball Europameisterschaft 2016 in Frankreich war die bis dahin schlechteste Qualifikation die Mazedonien spielte. Somit kann man getrost behaupten, Angelovski „hob die mazedonische Phönix aus der Asche“. Aus dem Abgrund in die großen Arenen gegen die Großen Europas, auf den Bildschirmen des Erdballs, in die Herzen der Fans.

„Glücksfall Nations League“

Für Mazedoniens Fußball mag die neu erschaffene Nations League ein Glücksfall gewesen sein. Das Team war nun nach dem von Angelovski eingeleiteten Umbruch im Aufschwung, und der große Fußball Verband richtete ein neues Wettbewerbssystem ein. Dieses System öffnete eine Tür für „Fußball Zwerge“. Mazedonien sowie Angelovski stießen diese Tür weit auf.

Gleich in der ersten Saison, man startete in der untersten Liga der Nations League, gewann man seine Gruppe und zog in die Playoffs ein. Und über diese Playoff gab es ein mögliches Ticket für die Fußball Europameisterschaft 2020. Angelovski hatte das Ticket im Fokus, und griff es sich eindrucksvoll mit seiner Mannschaft in einem Siegeslauf durch die Nations League Liga D.

Mazedonien besiegte Nachbar Kosovo im Halbfinale und dann Georgien, dank Goran Pandevs entscheidendem Treffer im entscheidenden Spiel, und feierte den historischen Einzug in eine Endrunde.

„Mrme hat Deutschland geschlagen“

‚Nach dem Turnier ist vor dem Turnier‘ und so steht trotz der EM auch (Pandemie bedingt) schon der nächste Qualifikationszyklus an. Der zur Weltmeisterschaft in Katar. Nach der Show in der Nations League und dem erreichen der EM Endrunde, ist jetzt wieder der „Quali Alltag“ angesagt.

Auch wenn Mazedonien in Rumänien zum Auftakt denkbar knapp unterlag, zeigte man das man unter Nationaltrainer Igor Angelovski gereift war. Eindrucksvoll bewiesen die Mannen ihre Reife dann im Duell gegen Gruppengegner Deutschland. Mazedonien schaffte das Unmögliche und besiegte die DFB Elf im ersten direkten Vergleich bisher überhaupt. Das ist noch nicht vielen Mannschaften gelungen, geschweige denn in einer WM Qualifikation.


Vielleicht war das Timing nicht günstig für Mazedonien. Der Sieg über Joachim Löws Mannschaft schlug wie eine Bombe in der Fußballlandschaft ein und dürfte einige Kontrahenten aufhorchen lassen, Mazedonien nicht zu unterschätzen. Andererseits, haben Mazedoniens Fans das gesehen was man die letzten Jahre lang oft gesehen hat. Gegen „Gute und Große“ Nationalteams spielt Mazedonien einen anderen Fußball als gegen gleichwertige oder „schlechter eingeschätzte“ Gegner. Jetzt, unter der längeren Führung unter Angelovski ist der beste Zeitpunkt gekommen Stabilität und „Siegermentalität“ in das Team zu bringen. Die aktuelle WM Qualifikation kann man somit durchaus als Feuertaufe betrachten, noch mehr als die Debüt-EM. Denn bei der EM kann Mazedonien nur Positiv bei der ersten Teilnahme überraschen.

„Angelovski anstelle Nordmazedonien“

Zu besondere Ehren kam in Mazedonien Coach Igor Angelovski als das berühmte Panini Heft und die selbstklebenden Bildchen der Fußballer den mazedonischen Markt erreichten. Denn, die Trainer bekommen eigentlich kein Abbild auf einem Panini Sticker. Nur die Spieler. Nicht aber in Mazedonien…

LESETIPP: Goran Pandev auf der Verpackung der Panini Sonderedition

Es ist kein Geheimnis, und wird bei der EM sicherlich zu hören und auf Banner zu sehen sein wenn Mazedonische Fans im Stadion sind. Der Großteil der Bevölkerung Mazedoniens ist und wehrt sich gegen die forcierte Namensänderung Mazedoniens in „Nordmazedonien“. Nicht wenigen Fans stieß dies Sauer auf, dass als man endlich eine Endrunde erreichte nun im Panini Heft als „Nordmazedonien“ geführt wird.

Panini Mazedonien

Und hier kam der mazedonische Einfallsreichtum (gefördert durch typischer mazedonischer Trotzreaktion) an den Tag. Die Fans kreierten einen Sticker für Mazedoniens Nationalcoach Igor Angelovski und klebten dies an der Stelle im Heft auf, wo „North“ zu sehen ist.

Von der Presse mit dieser Tatsache konfrontiert, antwortete Angelovski kurz und knapp: „Ich Danke den Fans für diese Ehre“.

Nein Mrme, Irrtum, wir Danken Dir für das anstehende Mazedonische Europamärchen!!!


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